genussmousse hat zur Sommerbuch-Empfehlungs-Rallye eingeladen. Eine
tolle Idee, wie ich finde, da ich mich im rasant wachsenden Bücherdschungel
immer weniger zurechtfinde und mich über jede Buch-Empfehlung sehr freue.
Ein Buch habe ich dieses Jahr regelrecht verschlungen und
mit viel Freude und Kurzweil gelesen: Daniel Glattauer: Gut gegen Nordwind
Dieses Buch passt in die heutige Zeit und passt auch
irgendwie zu mir. Früher habe ich gerne seitenlange Briefe geschrieben und war
auch jahrelang ein Verfechter von handgeschriebenen Briefen, habe mich sehr schwer
damit getan mich umzustellen und für mich zuzulassen, dass auch Mailverkehr
sehr persönlich sein kann.
Ich habe mich sehr wiedergefunden in diesem
Ping-pong-Mailverkehr, den ich zwar nicht mit einem Mann führe und daher ‚knistert’
es in meinen Mails auch nicht so wie zwischen Emmi und Leo, aber was die
Häufigkeit, die Schnelligkeit, den Humor, aber auch den Tiefsinn anbelangt mit
der die Mails hin- und herwechseln, können meine Freundin und ich sehr wohl
mithalten.:-)
«Schreiben Sie mir, Emmi. Schreiben ist wie
küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf.»
Erstaunlich, wie wenig Worte notwendig sind, um Leidenschaft zu entfachen. Sie
müssen nur richtig gewählt sein und zur rechten Zeit kommen. Bei Leo Leike
landen irrtümlich E-Mails einer ihm unbekannten Emmi Rothner. Aus Höflichkeit
antwortet er ihr. Und weil sich Emmi von ihm angezogen fühlt, schreibt sie
zurück.
Bald gibt Leo zu: «Ich interessiere mich wahnsinnig für Sie, liebe Emmi. Ich
weiß aber auch, wie absurd dieses Interesse ist.»
Und wenig später gesteht Emmi: «Es sind Ihre Zeilen und meine Reime darauf: die
ergeben so in etwa einen Mann, wie ich mir plötzlich vorstelle, daß es sein
kann, daß es so jemanden wirklich gibt.»
Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann es zum ersten
persönlichen Treffen kommt, aber diese Frage wühlt beide so sehr auf, daß sie
die Antwort lieber noch eine Weile hinauszögern. Außerdem ist Emmi glücklich
verheiratet. Und Leo verdaut gerade eine gescheiterte Beziehung. Und überhaupt:
Werden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung
standhalten? Und was, wenn ja?
E-Mails auf 224 Seiten, rasant und witzig geschrieben,
sprachlich sehr gekonnt formuliert – man mag das Buch gar nicht mehr aus der
Hand legen. Eine tolle Sommerlektüre – ganz und gar nicht nur für jüngere
Leser, denn auch mir, die ich ja schon zur reiferen Generation gehöre, hat das Lesen viel Freude bereitet.
Auch empfehlen kann ich - als absolute Krimi-Liebhaberin - die Bücher von Simon Beckett .
Die Chemie des Todes ist Auftakt zu einer Serie mit
David-Hunter-Romanen.
David Hunter war Englands berühmtester Rechtsmediziner. Aber
er hat seinen Beruf aufgegeben und sich inkognito in ein kleines Dorf
zurückgezogen. Dort arbeitet er seit ein paar Jahren als Assistent des Arztes,
als sein friedliches Landleben ein jähes Ende findet. Spielende Kinder
entdecken eine mit einem Paar Schwanenflügel ausstaffierte Frauenleiche. Die
Tote war Schriftstellerin, eine
Außenseiterin im Dorf. Da sie mit David
befreundet war, ist er, der schweigsame Fremde, einer der ersten Verdächtigen.
Doch dann findet die Polizei heraus, was David früher war, und so muss die
Ex-Koryphäe der überforderten Provinz-Gerichtsmedizin helfen...
Die David Hunter Bücher sind nichts für schwache Nerven,
denn hier rieseln Maden wie Reiskörner aus Körpereröffnungen, umschwirren
Fliegen verwesende Leichen....
Mir gefiel an den Krimis vor allem, dass ich bei keinem der
drei Bücher bis zum Schluß wusste, wer der Täter war – es kamen von Anfang an
viele Täter in Betracht und die Spannung wurde bis zum Schluss gehalten. Die
ersten beiden Krimis dieser Serie habe ich daher ‚in einem Rutsch’
durchgelesen, am dritten Band lese ich gerade noch und finde ihn auch wieder
sehr spannend.
Die bisher von mir vorgestellten Bücher sind durchaus Strand- und/oder Gartenlektüre.Das nun folgende Buch ist das nicht, aber da es mich sehr angesprochen und berührt hat beim Lesen, möchte ich es dennoch gerne vorstellen: Jenny Downham: Bevor ich sterbe
Tessa's Kampf gegen die Leukämie scheint nach vier Jahren verloren. Sie hat mit ihren 16 Jahren nicht mehr viel Zeit. Sie begreift, dass jetzt das Wort 'niemals' ihr Leben beherrschen wird. Dagegen lehnt sie sich auf. Sie will leben - wenigstens in der Zeit, die ihr noch bleibt. An die Wand ihres Zimmers schreibt Tessa, was sie noch tun will: Sex haben, einen Tag nur ja sagen, Drogen nehmen, einen Tag lang Verbotenes tun, einen Tag berühmt sein. Sie ist fest entschlossen, nicht eher zu sterben, bis sie alle Punkte erfüllt hat.
Normalität gibt es für Tessa nicht, sie akzeptiert keine Regeln mehr,
provoziert, schockiert. Dann lernt sie Adam kennen, der so wohltuend
anders auf sie reagiert, als ihre hilflose Umgebung. Aber wie geht man
damit um, dass man sich verliebt hat, wenn der Tod immer dabei ist?
Das Buch ist eine eindrucksvolle, gelungene Auseinandersetzung mit dem Thema Sterben, das den Leser aber beim Lesen nicht verzweifeln lässt, sondern ihm Angesichts der Kraft des jungen Mädchens Mut macht.